Was wir in der Krise lernen könnten (32)

Stellt Schifahren ein Ansteckungsrisiko für Covid-19 dar? Offensichtlich nicht, sonst wäre es jetzt so, wie viele andere Outdoor-Freizeitaktivitäten (wie z.B. vereinsmäßiges Fußballspielen) verboten. Sind wir daher verwundert, dass es sich derzeit bei den Schiliften und Seilbahnen staut?

Es galt als Idee der Grünen, dass sich der Autoverkehr mit weniger Straßen eindämmen ließe. Doch eine ÖVP-Ministerin glaubt, der Ansturm auf die Schipisten ließe sich dadurch halbieren, dass nur noch jeder zweite Schilift benutzt werden darf.

Bilder von dicht gedrängten Menschenschlangen vor den Liften sollen demnächst verboten werden. Sie passen nicht in die Regierungspropaganda.

Die volle Nutzung der Liftkapazitäten zur Vermeidung solcher Menchenschlangen kommt aber nicht infrage. Denn immerhin gebe es Corona-Regeln, die eingehalten werden müssen (sagt ein Grünen-Minister).

Als nächstes sollen die Parkplätze vor den Liftstationen künstlich reduziert werden. Und unterdessen steigen die Neuinfektionen wieder an. Denn Schifahren heuer abzusagen, kommt auf keinen Fall infrage. Das käme ja einem Kniefall vor den Italienern und Deutschen gleich, die genau das gefordert haben. Offensichtlich glauben „die Ausländer“, das Corona-Virus könne sich in dicht gedrängten Menschenschlangen trotz Mund-Nasen-Masken übertragen!!!

Was wir in der Krise lernen könnten (31)

Wie wir alle wissen, wächst Geld nicht auf Bäumen. Es wird auch nicht im Bankomat gedruckt, aber fast. Tatsächlich kann eine Währungszone (bzw. ihre Zentralbank) soviel Geld drucken, wie sie gerade braucht. Mehr würde die Inflation anheizen.

Wenn Sie sich also das nächste Mal fragen, womit wir all die Arbeitslosen, Pensionisten, Krisenverlierer und Bankrotteure, die Mindestsicherung, die Universitäten, den Klimaschutz oder die Restaurant-Gutscheine und die gratis Grippeimpfung bezahlen, so denken Sie daran, dass Geld gedruckt wird. Dafür braucht man nur einen Drucker und den poltischen Willen zum Drucken.

Wenn die Wirtschaft stillsteht und niemand Schulden macht, gibt es auch kein Wirtschaftswachstum. Im konkreten Fall macht dann eben der Staat die Schulden. Und schon wird wieder konsumiert und gewachsen. Und am Ende werden die Schulden einfach für nichtig erklärt, als uneinbringlich abgeschrieben.

Hat da soeben jemand „Zinsen“ gesagt?

Was wir in der Krise lernen könnten (30)

Wissenschaft gibt in der Regel keine politische Entscheidung vor. Daher konnte sich D. Trump ohne größere Widerstände über seine wissenschaftlichen Berater hinwegsetzen.

Das soll jedoch nicht heißen, dass man seine Entscheidungen nicht auf wissenschaftliche Erkenntnisse stützen soll. Wer aus Prinzip Fakten (also wissenschaftliche Ergebnisse aus der Erforschung der Welt) ignoriert, endet zwangsläufig in einem Bereich, der Pseudowissenschaften, Verschwörungserzählungen, der Esoterik und den Religionen vorbehalten ist. Natürlich kann man dort auch den einen oder anderen Politiker treffen. Doch diese sollten bei nächster Gelegenheit von einer aufgeklärten Mehrheit von ihrem Mandat entbunden werden (wie soeben in den USA).

Man kann auch versuchen, selber Fakten zu schaffen. Dazu laufen in Osteuropa zumindest zwei interessante Selbstversuche. Allerdings ist unklar, ob sich die Verantwortlichen der Nebenwirkungen und Spätfolgen bewusst sind.

Was wir in der Krise lernen könnten (29)

Ampeln steuern scheinbar wie von Geisterhand (oder vollautomatisch oder mit künstlicher Intelligenz – je nach Glaubensrichtung) in allen Städten den Straßenverkehr. Was liegt daher näher für Politiker, als auch die Krise mit Ampeln steuern zu wollen. Doch siehe da, es funktioniert nicht wie im Straßenverkehr.

In grenzenloser Selbstüberschätzung und ebensolcher des Wählervolkes hat ein innovativer Geist eine Ampel mit vier Farben erfunden (und dabei glatt die Lieblingsfarbe türkis vergessen). Doch mit vier Signalen, die noch dazu unklar definiert und daher beliebig schaltbar sind, ist unsere Psyche heillos überfordert.

Ein/Aus, Stopp/Go oder Rot/Grün mit maximal einem Übergang dazwischen versteht nach 100-jähriger Einschulung nun fast jeder (jeder bis auf Radfahrer). Auch unsere Politik sollte dieses simple Prinzip respektieren.

Was wir in der Krise lernen könnten (28)

Besser kann ich es auch nicht formulieren:

Jede Beschränkung des öffentlichen Raums nimmt die Möglichkeit auf Begegnung. Das mag politisch bequem sein, etwa um Austausch im Sinne des Widerstands, Rebellion oder politische Aktion (letztlich auch in Form von Kunst) zu verhindern, doch die tatsächliche Gefahr steckt hinter der Verhinderung des ganz alltäglichen Austausches.

Menschen gewöhnen sich daran und hören auf, kritisch zu denken. Denn wird die Eigenverantwortung über längere Zeit ausgesetzt, wird auch dieser Zustand zum Alltag, den man nicht mehr hinterfragt.

Dann wird Information auch dort gesucht, wo man ansonsten keine Wahrheit vermuten würde. Jene, die es am besten vermögen, das seltsame Bauchgefühl zu bestätigen, bekommen Glauben und Vertrauen geschenkt. Die nackte Wahrheit wirkt zu banal, um geglaubt werden zu können. Das Komplexe und Dystopische an Verschwörungslegenden scheint dann unumstößliche Wahrheit, denn sie erklärt vermeintlich das eigene Unwohlsein. Auch dafür sorgt das Weggesperrtsein aus dem öffentlichen Raum.

Das Berieseltwerden durch ununterbrochene Berichterstattung zum selben Thema und zu ständig neuen politischen Maßnahmen [… ], die exzessive Mediennutzung der letzten Monate: Sie legen Kreativität und politisches Denken lahm.

Zitiert aus: Dystopische Demokratie: Wenn Menschen aufhören, kritisch zu denken.
Blog von Daniela Ingruber, derstandard.at vom 19. Juni 2020