Was wir in der Krise lernen könnten (30)

Wissenschaft gibt in der Regel keine politische Entscheidung vor. Daher konnte sich D. Trump ohne größere Widerstände über seine wissenschaftlichen Berater hinwegsetzen.

Das soll jedoch nicht heißen, dass man seine Entscheidungen nicht auf wissenschaftliche Erkenntnisse stützen soll. Wer aus Prinzip Fakten (also wissenschaftliche Ergebnisse aus der Erforschung der Welt) ignoriert, endet zwangsläufig in einem Bereich, der Pseudowissenschaften, Verschwörungserzählungen, der Esoterik und den Religionen vorbehalten ist. Natürlich kann man dort auch den einen oder anderen Politiker treffen. Doch diese sollten bei nächster Gelegenheit von einer aufgeklärten Mehrheit von ihrem Mandat entbunden werden (wie soeben in den USA).

Man kann auch versuchen, selber Fakten zu schaffen. Dazu laufen in Osteuropa zumindest zwei interessante Selbstversuche. Allerdings ist unklar, ob sich die Verantwortlichen der Nebenwirkungen und Spätfolgen bewusst sind.

Was wir in der Krise lernen könnten (29)

Ampeln steuern scheinbar wie von Geisterhand (oder vollautomatisch oder mit künstlicher Intelligenz – je nach Glaubensrichtung) in allen Städten den Straßenverkehr. Was liegt daher näher für Politiker, als auch die Krise mit Ampeln steuern zu wollen. Doch siehe da, es funktioniert nicht wie im Straßenverkehr.

In grenzenloser Selbstüberschätzung und ebensolcher des Wählervolkes hat ein innovativer Geist eine Ampel mit vier Farben erfunden (und dabei glatt die Lieblingsfarbe türkis vergessen). Doch mit vier Signalen, die noch dazu unklar definiert und daher beliebig schaltbar sind, ist unsere Psyche heillos überfordert.

Ein/Aus, Stopp/Go oder Rot/Grün mit maximal einem Übergang dazwischen versteht nach 100-jähriger Einschulung nun fast jeder (jeder bis auf Radfahrer). Auch unsere Politik sollte dieses simple Prinzip respektieren.

Was wir in der Krise lernen könnten (28)

Besser kann ich es auch nicht formulieren:

Jede Beschränkung des öffentlichen Raums nimmt die Möglichkeit auf Begegnung. Das mag politisch bequem sein, etwa um Austausch im Sinne des Widerstands, Rebellion oder politische Aktion (letztlich auch in Form von Kunst) zu verhindern, doch die tatsächliche Gefahr steckt hinter der Verhinderung des ganz alltäglichen Austausches.

Menschen gewöhnen sich daran und hören auf, kritisch zu denken. Denn wird die Eigenverantwortung über längere Zeit ausgesetzt, wird auch dieser Zustand zum Alltag, den man nicht mehr hinterfragt.

Dann wird Information auch dort gesucht, wo man ansonsten keine Wahrheit vermuten würde. Jene, die es am besten vermögen, das seltsame Bauchgefühl zu bestätigen, bekommen Glauben und Vertrauen geschenkt. Die nackte Wahrheit wirkt zu banal, um geglaubt werden zu können. Das Komplexe und Dystopische an Verschwörungslegenden scheint dann unumstößliche Wahrheit, denn sie erklärt vermeintlich das eigene Unwohlsein. Auch dafür sorgt das Weggesperrtsein aus dem öffentlichen Raum.

Das Berieseltwerden durch ununterbrochene Berichterstattung zum selben Thema und zu ständig neuen politischen Maßnahmen [… ], die exzessive Mediennutzung der letzten Monate: Sie legen Kreativität und politisches Denken lahm.

Zitiert aus: Dystopische Demokratie: Wenn Menschen aufhören, kritisch zu denken.
Blog von Daniela Ingruber, derstandard.at vom 19. Juni 2020

Was wir in der Krise lernen könnten (27)

„Gehorsam durch Angst“ – Pro und kontra Fotzfetzerl

Manchen geht der Stoffmaulkorb schon auf den Wecker. Bei anderen machen sich Verlustängste breit. Sie geloben in den sozialen Medien, ihrem Fotzfetzerl in – fast – allen Lebenslagen die Treue halten zu wollen, auch dort, wo es Basti, Rudi und Karli nicht mehr verordnen.

Erstere, die die Mund-Nasen-Masken für einen Unterjochungsversuch der Obrigkeit halten, schütteln fassungslos den Kopf.

Wer vorsorglich Masken gehamstert hat, muss jetzt erkennen: Keine Chance bei Willhaben – und auch die Museen nehmen keine mehr.

Quelle: Gudrun Harrer, derstandard.at, 17. Juni 2020

Was wir in der Krise lernen könnten (26)

Vertreter der Lehrergewerkschaft konnten zwar nicht verhindern, dass die Schule trotz CovID-19-Krise bis zu den Sommerferien verlängert wurde.

Sie haben aber aus der Krise gelernt, dass Schüler viel leichter zu disziplinieren sind, wenn sie eine Maske im Gesicht tragen. Daher fordern sie nun den Maskenzwang auch in der Schule.

Ob Diszplinierung überhaupt ein Hauptzweck des Maskenballs ist?